Altbausanierung Elektrik Freiburg

Was wirklich hinter den alten Wänden steckt

Wer in Freiburg ein Altbaugebäude besitzt oder gerade eines gekauft hat, weiß: Die Schönheit der alten Bausubstanz hat ihren Preis. Hinter verputzten Wänden in der Wiehre, unter den Dielen in Betzenhausen oder in den Kellergeschossen der Gründerzeithäuser nahe der Kaiser-Joseph-Straße schlummert oft eine Elektroinstallation, die seit Jahrzehnten niemand mehr angeschaut hat. Als Elektromeister mit Betrieb in Freiburg sehe ich das täglich – und ich kann Ihnen sagen: Vieles davon ist nicht mehr zeitgemäß. Manches davon ist schlicht gefährlich.

Dieser Artikel erklärt Ihnen, worauf Sie bei der Elektrosanierung im Altbau achten müssen, was beim Denkmalschutz gilt und warum ein neuer Anstrich allein das Problem nicht löst.

Freiburger Altbaubestand – eine elektrische Zeitreise

Freiburg hat einen außergewöhnlich hohen Anteil an erhaltener Vorkriegsbausubstanz. Gerade in den Stadtteilen Herdern, Stühlinger, Haslach und rund um den Münsterplatz finden sich Gebäude, die zwischen 1890 und 1940 errichtet wurden. Die Elektroinstallationen dieser Häuser stammen häufig aus der Nachkriegszeit – also aus den 1950er und 1960er Jahren – und wurden seitdem bestenfalls punktuell ergänzt, aber nie grundlegend erneuert.

Was das konkret bedeutet: In diesen Gebäuden treffen wir regelmäßig auf Gewebekabel (sogenannte Textiladern), auf Schmelzsicherungen statt moderner Leitungsschutzschalter, auf fehlende Schutzleiter und auf Stromkreise ohne Fehlerstromschutzschalter (RCD). Wer heute in einem solchen Haus wohnt und einen Wasserkocher, eine Waschmaschine und einen Laptop gleichzeitig betreibt, lebt mit einer Infrastruktur, die für genau diese Lasten nie ausgelegt war.

Das Gewebekabel-Problem – unterschätzt und brandgefährlich

Gewebekabel aus den 1950er Jahren sehen auf den ersten Blick oft noch intakt aus. Die Isolierung ist fest, das Gewebe sitzt noch. Aber das täuscht. Thermoplastische Isolierungen aus dieser Ära verspröden über Jahrzehnte hinweg. An Klemmstellen, Abzweigdosen und überall dort, wo das Kabel gebogen wurde, entstehen Mikrorisse in der Isolierung. Fließt dann Strom, kann es an diesen Stellen zu Lichtbögen kommen – und damit zu Kabelbränden, die sich hinter Putz oder unter Dielen ausbreiten, bevor irgendjemand etwas merkt.

Der Austausch dieser Leitungen ist keine Kür, sondern Pflicht. In der Praxis bedeutet das: entweder Schlitze fräsen und neue NYM-Leitungen verlegen, oder – gerade im Denkmalschutz – alternative Verlegewege über Kabelkanäle, Hohldecken oder in vorhandene Leerrohre nutzen. Beides ist möglich, beides erfordert Planung.

Denkmalschutz in Freiburg – Elektrik ohne Substanzschäden

Freiburg hat eine aktive Denkmalbehörde. Wer ein Gebäude saniert, das unter Denkmalschutz steht – und davon gibt es in der Innenstadt, in Herdern oder am Stadtrand Richtung Günterstal einige –, muss bei baulichen Eingriffen abstimmen, was erlaubt ist. Das betrifft auch die Elektroinstallation, sobald Schlitze in historischem Mauerwerk oder Putz erforderlich werden.

Als Elektromeister arbeite ich in solchen Projekten eng mit dem Architekten und der Denkmalbehörde zusammen. Es gibt Lösungen, die funktionieren:

  • Aufputz-Installation mit Retro-Kabelkanal: In vielen denkmalgeschützten Räumen akzeptiert die Behörde eine sichtbare Aufputzverlegung, wenn sie handwerklich sauber und optisch zurückhaltend ausgeführt wird.
  • Nutzung vorhandener Hohlräume: Alte Holzbalkendecken, Kaminzüge außer Betrieb, historische Wandnischen – wer das Gebäude gut kennt, findet oft Wege, ohne in die Substanz einzugreifen.
  • Retro-Leitungsverlegung: In Ausnahmefällen ist auch eine offene Verlegung im Stil der Entstehungszeit möglich – mit Porzellanrollen und Runddraht. Das ist aufwendig, aber in bestimmten Räumen die einzig denkmalgerechte Lösung.
  • Minimale Schlitzführung: Wo Schlitze unumgänglich sind, werden diese so geplant, dass historischer Putz oder Dekorationsputz maximal erhalten bleibt. Das erfordert Erfahrung und handwerkliches Fingerspitzengefühl.

Wichtig: Auch im Denkmalschutz gelten die technischen Anschlussbedingungen der Badenova Netz und die VDE-Normen vollständig. Ein denkmalgerechter Einbau entbindet nicht von der Pflicht, normgerechte Schutzeinrichtungen zu installieren.

Was eine vollständige Elektrosanierung im Altbau umfasst

1. Bestandsaufnahme und Phasenprüfung

Bevor auch nur eine Schraube angezogen wird, kommt die Bestandsaufnahme. Ich prüfe alle vorhandenen Stromkreise, messe Isolationswiderstände, führe eine Phasenprüfung durch und dokumentiere, was vorhanden ist. In Altbauten erlebe ich häufig, dass der Zählerkasten mehrfach ergänzt wurde – von verschiedenen Betrieben, über Jahrzehnte – ohne dass eine Gesamtdokumentation existiert. Das Ergebnis sind Verteilungen, in denen niemand mehr weiß, welcher Sicherungsautomat welchen Stromkreis absichert.

2. Neue Unterverteilung mit zeitgemäßer Schutzausstattung

Eine moderne Unterverteilung für ein Einfamilienhaus oder eine Altbauwohnung enthält heute standardmäßig:

  • Leitungsschutzschalter (LS-Schalter) in den Charakteristiken B oder C je nach Verbraucher
  • Fehlerstromschutzschalter (RCD) Typ A mit 30 mA für alle Feuchtraumkreise, Außensteckdosen und Kinderzimmer
  • Überspannungsschutz Typ 2 (SPD) – gerade in Freiburg mit seinem exponierten Lagen im Schwarzwaldvorland relevant
  • Separate Stromkreise für Küche, Bad, Waschmaschine, Herd und Dauerstromverbraucher
  • Beschriftung und Dokumentation aller Abgänge

3. Leitungsnetz und Steckdosenverteilung

In Altbauwohnungen gibt es häufig pro Zimmer eine einzige Steckdose. Das führt dazu, dass Mehrfachsteckdosen gestapelt werden – ein klassisches Brandrisiko. Im Rahmen der Sanierung werden die Stromkreise so aufgeteilt, dass jede Raumgruppe ausreichend Steckdosen erhält und keine Überlastung einzelner Abgänge entsteht. Für Küchen gilt: Herd, Geschirrspüler, Kühlschrank und die allgemeine Küchenzeile brauchen separate Kreise.

4. Potentialausgleich und Erdung

In Altbauten fehlt der Schutzpotentialausgleich häufig vollständig. Das bedeutet: Metallteile wie Heizungsrohre, Wasserrohre und die Stahlteile des Gebäudes sind nicht miteinander verbunden und nicht geerdet. Im Fehlerfall kann zwischen diesen Teilen eine gefährliche Berührungsspannung entstehen. Der Schutzpotentialausgleich wird im Rahmen jeder vollständigen Elektrosanierung nachgerüstet – das ist keine Option, sondern Vorschrift nach VDE 0100-410.

Kosten und Fördermöglichkeiten in Freiburg

Eine vollständige Elektrosanierung einer 80-Quadratmeter-Altbauwohnung in Freiburg kostet je nach Aufwand zwischen 4.000 und 9.000 Euro – abhängig davon, wie viele Leitungen erneuert werden müssen, ob Denkmalschutz besteht und wie aufwendig die Verlegewege sind. Das klingt viel. Verglichen mit dem Risiko eines Kabelbrands oder eines Elektrounfalls ist es wenig.

Über die KfW (Bundesförderung für effiziente Gebäude) und das Förderprogramm Klimabonus der Stadt Freiburg lassen sich Teile einer energetischen Gesamtsanierung fördern. Wenn die Elektrosanierung im Rahmen einer umfassenderen Modernisierung stattfindet – etwa zusammen mit Dämmung und Heizungserneuerung –, können Förderanträge sinnvoll kombiniert werden. Sprechen Sie uns an, wir helfen bei der Einschätzung.

Wann müssen Sie handeln?

Wenn Sie in Ihrem Freiburger Altbau eines der folgenden Merkmale erkennen, sollten Sie nicht warten:

  • Schmelzsicherungen im Sicherungskasten (die kleinen schwarzen oder braunen Schraubkörper)
  • Steckdosen ohne Schutzkontakt (runde Öffnungen ohne die seitlichen Erdungskontakte)
  • Kein FI-Schalter (RCD) in der Verteilung sichtbar
  • Flimmern oder Ausfälle beim gleichzeitigen Betrieb mehrerer Geräte
  • Sichtbare Gewebekabel in Keller, Dachboden oder hinter Schränken
  • Verbrannte Gerüche aus Steckdosen oder Schaltern
  • Kein Schutzleiter an Steckdosen (messbar mit einem einfachen Phasenprüfer)

Ich bin mit meinem Team in Freiburg und dem gesamten Umland tätig – von Haslach über Betzenhausen bis nach Gundelfingen und Kirchzarten. Wenn Sie unsicher sind, was hinter Ihren Wänden steckt, bieten wir eine Erstbegehung mit schriftlichem Befundbericht an. Kein Pauschalangebot ohne Besichtigung, keine Überraschungen auf der Rechnung.

Rufen Sie an oder schreiben Sie uns – bevor es die marode Leitung für Sie tut.